In 16 Tagen zu Fuß von Bayern nach Maasdorf – Reisebericht und Fazit von Horst Wester!

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„Mit uns reden, statt über uns!“ – das war der Slogan der kleinen Gegendemonstration, die kurzfristig organisiert wurde, um unserer Kundgebung vor dem Schweinehochhaus in Maasdorf in Sachsen-Anhalt etwas entgegenzusetzen. Vermutlich sollten wir uns noch freuen, dass nicht demonstrativ gegrillt wurde!

Von einer Bereitschaft, sich mit den ethisch und moralisch begründeten Vorwürfen und Forderungen ernsthaft auseinanderzusetzen, sind sämtliche Verantwortlichen allerdings weit entfernt. Von den Verantwortlichen vor Ort wird nach wie vor gepredigt, dass es eine unumstößliche Notwendigkeit sei, unter kostengünstigsten und effektivsten Voraussetzungen billiges Fleisch zu produzieren, weil es der Verbraucher so möchte und um die Versorgung der Menschen mit Nahrung sicherzustellen. Angesichts der Tatsache, dass im Durchschnitt bei der Produktion von 1 Kalorie Fleisch etwa 9 Kalorien pflanzlicher Lebensmittel vernichtet werden, klingt das Letztere in den Ohren logisch denkender Menschen wie blanker Hohn.

Von den verantwortlichen Politikern kam auf unsere Aufforderung, sich doch den Vorwürfen vor Ort zu stellen, noch nicht einmal eine Reaktion – geschweige denn, dass man das Gespräch mit Tierschützern gesucht hätte. Allerdings sind diese Politiker, denen Wegschauen kein Problem bereitet, natürlich nur ein Spiegelbild eines Großteils unserer Gesellschaft, die für den eigenen kurzen Gaumenkitzel das Thema Massentierhaltung erfolgreich ausblendet. Nutztiere sind ein Produkt, dass Gewinn abwerfen muss, in kg Schlachtgewicht gemessen wird und keinerlei Recht haben darf. Man möchte nicht anfangen, über gequälte Tiere nachzudenken, denn das würde bedeuten, dass man sein Leben ändern müsste, dass Rücksicht plötzlich vor Egoismus käme. Davor hat man wohl Angst.

Resigniertes Schulterzucken bei befragten grünen Politikern mit einem Statement, dass nach dem Gesetz bei dieser Art von Nutztierhaltung alles in Ordnung wäre, sind ein deutliches Zeichen dafür, dass sich die gesamte amtierende, etablierte Politikerzunft stillschweigend darauf geeinigt hat, dass man, um es sich mit der Agrarlobby nicht zu verscherzen, die Missstände öffentlich totschweigt – oder aufgegeben hat. Deprimierende 0,6 Prozent ökologische Schweineproduktion in Deutschland lt. offizieller Schlachtzahlen in 2014 lassen Tierschützer schier verzweifeln.

Da uns Verantwortlichen in der Partei Mensch Umwelt Tierschutz aber klar ist, dass Aufklärung und Widerstand bei dieser Thematik kontinuierlich weitergehen muss, hatten wir uns dazu entschlossen, diese Kundgebung in Maasdorf zu veranstalten. Ich persönlich wollte, um der ganzen Angelegenheit noch mehr Nachdruck zu verleihen, als Bundesvorsitzender zu Fuß von meinem Wohnort in Bayern nach Maasdorf laufen. Rückblickend möchte ich sagen, dass es nicht einfach war, aber sowohl zahlreiche positive Unterstützung bereits im Vorfeld als auch während meiner Wanderung ließen mich mein Ziel nie aus den Augen verlieren und bis zum Schluss durchhalten.

Leider begegnete mir sehr viel Ignoranz, aber etliche Menschen gaben mir auf dem beschwerlichen Weg durch ihre direkte Unterstützung, durch ihre Anteilnahme und durch ihre Aufgeschlossenheit trotzdem das Gefühl, dass noch nicht Hopfen und Malz verloren ist. Gemeinsam könnte mit Sicherheit einiges in der Zukunft bewegt und verändert werden. Gastfreundlichkeit und ehrliches Interesse habe ich auch erleben dürfen, und zwar von ganz unterschiedlichen Menschen. Diesen möchte ich natürlich ganz besonders danken. Intensive Gespräche haben mich zum Nachdenken und Reflektieren angeregt. Eines habe ich mit Sicherheit gelernt: gerade Zuhören ist enorm wichtig und eröffnet einem auch neue Blickwinkel.

Leider hatten ganz viele Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen wohl ihre Gründe, weshalb sie es großteils noch nicht einmal für nötig erachteten, diese Veranstaltung zu bewerben oder auf unsere Anfrage zu antworten, geschweige denn sich zu beteiligen. Mit aus diesem Grund hielt sich die Anzahl der Teilnehmer an der Demo mit knapp 100 Personen auch in Grenzen. Das ist sehr schade. Mir persönlich ist es völlig unverständlich, dass es nicht möglich ist, für eine wichtige Sache gemeinsam auf die Straße zu gehen oder sich zu engagieren. Oder zumindest soviel Anstand zu besitzen, auf eine offizielle Anfrage zumindest zu reagieren. Das ist einfach nur traurig. Solange sich der Widerstand in diesem Bereich nicht vernetzt und kooperiert, solange z.T. persönliche Befindlichkeiten oder Vorurteile wichtiger sind als sie Sache, ist es für verantwortliche Politiker natürlich leicht, so weiterzumachen wie bisher. Der Protest muss nicht wirklich beachtet werden, da er überschaubar ist!

Der eingangs erwähnte Slogan „Mit uns reden, statt über uns!“ trifft hier ins Schwarze. Aber das ist natürlich nur meine persönliche, unwesentliche Meinung. Wir sind jedenfalls immer zum Dialog bereit, wenn er ehrlich und zielorientiert geführt wird und können hiermit nur alle auffordern, in diesen mit uns einzutreten.

Danke nochmals an alle, die geholfen und unterstützt haben (im Speziellen „Menschen für Tierrechte Nürnberg e.V.“), an meine „Mit“-Läufer Andreas Döring, Fay Satura und Silke Kerner (die aus persönlichen Gründen leider vorzeitig aufgeben musste) für ihren bewundernswerten Einsatz sowie an alle, die vor Ort waren. Ihr habt diese Veranstaltung zu einer tollen Aktion gemacht, die ohne Frage ein weiterer Puzzlestein im Kampf gegen die gewissenlose Ausbeutung unserer Mitgeschöpfe ist!

Euer Horst Wester

2 Gedanken zu „In 16 Tagen zu Fuß von Bayern nach Maasdorf – Reisebericht und Fazit von Horst Wester!“

  1. Dem ist nichts hinzuzufügen. Ich habe die folgende Nacht nach der Demo aus den verschiedendsten Gründen sehr schlecht geschlafen. Schade dass es den so zahlreichen Maulhelden- Tierschützern nicht gelungen ist, sich aus dem Facebooksessel zu erhen und den Ärmsten zu helfen, denen, die das Elend am eigenen Leibe täglich erfahren müssen. Danke für soviel Desinteresse. Tierschutz besteht hauptsächlich aus aktiver Arbeit und Kampfgeist. Immerhin haben wir einen mächtigen Gegner. Da bedarf es schon einiger Anstrengungen. Ich habe mich geschämt für die miserable Beteiligung am Samstag.

  2. Leider ist das bei den meisten „Tierschützer“ nicht anders als was sie den anderen vorwerfen, es geht kaum noch um die Tiere sondern ums eigene Ego. Oder wenn nur um die eigene Tiere und die eigenen Spenden. Der andere Verein oder Orga könnte ja mehr Likes und mehr Spenden bekommen weil ihr Konzept vielleicht gut ist. Aber in die zweite Reihe möchte da wohl kaum jemand. Bei mir macht mir leider oft meine Gesundheit ein Strich durch die Rechnung aber ich habe es schon immer so gehandhabt das es mir um die Tiere geht und nicht welche Orga der Veranstalter ist. Leider ist das schon seit Jahren so und anstatt besser wird es immer Schlechter. X kann mit y nicht und wenn z kommt dann kommt y nicht und so weiter. Egal bei welchem Thema und am Ende finde ich sehr beeindruckend das sie sich dann noch Erdreisten zu behaupten es ginge Ihnen nur um die Tiere. Das die sich noch im Spiegel anschauen können wundert mich immer wieder. Ich bin zwar Parteimitglied aber nehme mir das Recht raus auch an anderen Veranstaltungen Teil zu nehmen solange ich nicht explizit ausgeladen werde weil ich Parteimitglied bin. Ich bin mit vielen Menschen befreundet auch von anderen Vereinen und Orgas und auch auf Facebook zb Teile ich Beiträge zum Thema Tierschutz und nicht weil Orga xy das Gepostet hat. Ich Persönlich finde das sehr Traurig aber das ist wohl so. Egal bei welchem Thema zb Straßenhunde in Rumänien, vor zwei drei Jahren gab es noch richtig gute Demos und jetzt ? Fast jeder macht sein eigenes Ding oder hat sich schon ganz zurück gezogen. Thema Zoophilie von den Mitstreitern von 2012 seit ich mit dem Thema zu tun habe ist noch eine Hand voll geblieben und alle anderen sind weg. Aber machen ja alle für die Tiere schon klar. So geht es leider immer weiter aber nichts desto trotz werde ich so weiter machen wie bisher denn mir geht es um die Tiere und nicht um Personen oder Orgas. Deshalb habe ich früher auch meistens die Bilder gemacht ich muss nicht unbedingt mit drauf sein ich muss auch keinem etwas beweisen ich bin nur mir selbst Rechenschaft schuldig und den Tieren denn Ihnen möchte ich eine Stimme geben auch wenn die „Tierschützer“ sich untereinander weiter Streiten. Ich war auf Veranstaltungen wo nur 10 – 15 Leute waren aber das spielt keine Rolle weil wir die Menschen Aufklären wollen und ob 10 oder 100 von uns da stehen ändert nichts an der Sache. Ich Persönlich glaube auch nicht das sich die Situation großartig zum besseren verändert eher umgekehrt weil sich immer mehr Streiten und gegeneinander Arbeiten. Ist wohl ein bisschen länger geworden mein Kommentar aber das musste mal raus. Danke für euren Einsatz und das würde ich auch sagen wenn ich kein Parteimitglied wäre denn ich finde die Aktion toll auch wenn sie kaum wahrgenommen wurde und die Demo so mies besucht war. Schade Schade Schade.
    Andi

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